-

Kur für Schwergewichte

FMI Systems erneuert Pressen und andere Großanlagen bei Autobauern und Zulieferern

Image

Francisco Iglesias

Von José Pinto

Kassel. Als sein früherer Arbeitgeber, die Fuldataler Firma Schäfer Control, wegen Überschuldung in eine finanzielle Schieflage geriet, machte Francisco Iglesias aus der Not eine Tugend. Im Frühjahr 2007 übernahm er das insolvente Unternehmen und dessen 27 Beschäftigte und wagte in Kassel einen Neubeginn. Diesen Schritt sollte der Techniker nicht bereuen.

Mit seinem Unternehmen FMI Systems GmbH legte der heute 38-Jährige einen fulminanten Start hin. In den verbliebenen acht Monaten des vergangenen Jahres verzweieinhalbfachte er den Umsatz des Spezialisten für Industrie-Automation und Großpressen-Modernisierung auf zehn Millionen Euro und verdoppelte die Zahl der Mitarbeiter auf 50. In diesem Jahr soll der Umsatz auf 14 Mio. Euro steigen.

"Wir können uns vor Aufträgen kaum retten", sagt der in Kassel aufgewachsene Spanier. Vertriebschef Thomas Kuhn macht ein "riesiges Potenzial" für FMI auf den Weltmärkten aus.

Dass sich die Betreiber großer Pressen- und Rohbaustraßen wie Autohersteller und Zulieferer bei FMI die Klinke in die Hand geben, hat seinen Grund. Denn das Unternehmen bietet einen Komplettservice rund um Großpressen und Rohbaustraßen aller Art an. Es demontiert und montiert die zum Teil Jahrzehnte alten Schwergewichte, modernisiert Mechanik und Elektronik, automatisiert und optimiert. Und es rüstet die alten Anlagen mit einer standardisierten, einfachen Bedieneinheit aus, die weltweit verstanden wird und an jede Anlage passt - ganz gleich welchen Herstellers.

Die Vorteile gegenüber einer neuen Presse liegen auf der Hand. Die Modernisierung einer alten kostet rund sechs Mio. Euro, eine neue das Vier- bis Fünffache. "Uns geht es nicht nur um Modernisierung. Wir optimieren die Anlage, so dass sie 20 bis 30 Prozent mehr für den Betreiber bringt und wieder konkurrenzfähig wird", sagt Iglesias. Nicht mehr benötigte Anlagen werden von Grund auf erneuert und verkauft. "Die sind schnell weg", so der Geschäftsführer.

Nach seiner Kenntnis ist FMI der weltweit größte Pressen-Modernisierer. "Dass einer alles aus einer Hand bietet, gibt es nach meinem Dafürhalten nicht noch einmal." Das liege vor allem auch an den über Jahrzehnte beim Vorgängerunternehmen gesammelten Erfahrungen. "Wir kennen jeden Typen, überall auf der Welt", sagt Iglesias. "Das ist unser Kapital."

Die Geschäfte laufen gut, und Wachstum ist programmiert: In Mexiko gibt es ein Tochterunternehmen, weitere in Spanien, der Türkei, in Polen und China sollen bis Ende 2009 folgen. Dabei will Iglesias auch künftig auf ein Netzwerk lokaler Betriebe setzen, mit denen FMI als Generalunternehmer, Entwickler und Projektmanager die Aufträge abwickelt. Wo es sich anbietet, will er Beteiligungen eingehen oder Partner übernehmen.

Von dem angepeilten Wachstum soll auch die Region profitieren. FMI rechnet mittelfristig mit 150 bis 200 Beschäftigten am Unternehmenssitz. Wo dieser künftig sein wird, ist noch unklar. Iglesias trägt sich mit dem Gedanken, einen Neubau auf die grüne Wiese setzen zu lassen. Die Standortsuche läuft.